Hi,
> Dann sag mir doch mal, warum heutzutage ein guter Teil der Kinder bei
> Einschulgstests bei weitem nicht mehr die Fähigkeiten besitzt, wie
> sie bspw. vor 20 Jahren gang und gäbe waren. Weil der Staat die
> Kleinkinder nicht fördert oder weil die Eltern es nicht mehr tun?
Antwort: weil BEIDE es nicht mehr tun! Der Staat hat sich (aus den
bekannten Gründen) daraus zurückgezogen bzw. sich gar nicht erst
darin engagiert. Und die Eltern: überfordert, überarbeitet!
Und ein Problem ist nicht zu bestreiten: das es überdurchschnittlich
die Einkommensschwachen und Bildungsfernen (zu political correct und
neudeutsch!) trifft. Und gerade diese Schichten haben ein doppeltes
Dilemma: Kein Geld und kein Wissen!
Kein Geld: das geht z.B. in Richtung Ernährung, sowohl von sich
selbst (-> Gesundheit) als auch der Kinder (dort ebenfalls
Gesundheit, aber auch Entwicklung) Und ja: da wird gen mal statt Obst
dann der Flachschirm angeschafft (mal so pauschal, Ausnahmen, auch
positiver Natur bestätigen die Mehrheit!) Warum? Weil die Medien es
ihnen so beibringen – gehirnwäscheartig! Oder gibt es Sendungen, die
sich gezielt an diese Bevölkerungsschicht wendet und ihnen hilft,
Probleme zu lösen, statt ihnen zu erklären: die Welt ist so schön,
ihr müßt nur fleißig konsumieren! Weil das für den Staat ein
praktisches Wahlvieh ist: man kann ihnen jede Story “draufdrücken”
(das gilt leider auch für andere!) und sie haben keine Lobby, die
irgendwelche Forderungen stellt.
Kein Wissen: weil sie weder begreifen, was sie sich teilweise selbst
antun und auch nicht, was da z.B. politisch MIT IHNEN GEMACHT WIRD.
Klingt hart, ist auch so gemeint! Ist aber auch keine
Schuldzuweisung! Zumindest nicht im Sinne von Alleinschuld. Wenn man
Mäxchen keine Tischsitten beibringt, wird max sie wohl auch nicht
beherrschen! Und auch da setzt die Verantwortung des Staates ein.
Bisher hat man sich gerne auf den bequemen Standpunkt der
Nichteinmischung in familiäre und individuelle Dinge zurückgezogen.
Im wesentlichen ist das auch ok so. Wenn allerdings absehbar ist (und
das ist es!), das daraus nicht nur Schaden für’s Individuum entsteht
sondern darüber hinaus auch Schaden für die Gesellschaft, dann reicht
dieser Standpunkt nicht mehr aus! Es IST die Aufgabe des Staates, an
solchen Stellen (maßvoll und nicht populistisch übertrieben)
einzugreifen. Nur ein Beispiel unter vielen: Kindertagesstätten,
Krippen, Hort etc. Nicht zuletzt aufgrund Einfluß von Lobbies (z.B.
auch der Kirche) hat man dieses Thema gern auf “die Familie”
abgewälzt. (aktuell gibt es anfängliche Ansätze) Nur: die Familie,
wie es sie vor 50 Jahren gab, gibt es heute nicht mehr! Folge:
familiäre Probleme, nicht zuletzt wegen Geld, wie das weitergeht:
siehe oben, Geburtenrückgang, damit letztendlich auch strukturelle
und wirtschaftliche Probleme etc.
Zweifellos hat das Individuum auch seine Verantwortung für sein Tun.
(und damit u.U. auch eine Teilschuld, was das Thema betrifft) Aber
ganz unzweifelhaft hat der Staat auch einige Entwicklungen (die ja
absolut nicht neu sind!) wirklich krass verpennt. (oder andere
Sprachweise: den Politiker, wer bzw. welche Partei auch immer, hat es
nie gestört, er hatte ja seine Bezüge, die er sich gern wieder erhöht
hat! Und wenn die Lobby zufrieden war … kann’s ja nicht falsch
gewesen sein. Oder?)
Schönen Tag noch,
Thomas
False positive – Gesundheit und soziale Schicht
February 23rd, 2008 by admin